Frau Helga und der Ziegerlkäse
Afrika, Amerika, Antarktis, Asien, Australien. Es mag sein, dass es am Alphabet liegt, weil der sechste, der fällt vielen nicht ein, wenn sie alle Kontinente aufzählen sollen. Europa heißt er und er ist so alt, dass er ganz und gar in Vergessenheit zu geraten droht. Jetzt, wenn du sagst, Österreich, da dämmert’s schon eher. Denn da gibt es die Österreich Werbung und die macht für Österreich Werbung. Oberösterreich, das kennen noch viel mehr, weil von dort ist der Kärntner Landeshauptmann her und der oberösterreichische und ich glaub auch der Tiroler und die Salzburger Landeshauptfrau sowieso. Immerhin wird fast die Hälfte aller Bundesländer von Oberösterreichern regiert. Vier Neuntel sind’s, um genau zu sein. Eine bemerkenswerte Tatsache allemal.
Wenn du dann noch den Hinweis Mühlviertel gibst, dann schießt’s den Leuten ein: Eiserner Vorhang, russische Besatzungszone, Böhmerwald und Granit. Mehr brauchst du den meisten nicht mehr sagen. Den wenigen, die noch übrig bleiben, wirfst du mit Bad Zell noch ein Stöckerl: Kurort, Wellness, Siebtelbauern und ein fescher Arzt, sag ich dir. Kuriert schneller als sein Schatten. Damit du aber alle, wirklich alle, erreichst, musst du „Wirt im Graben“ hinzufügen.
Dann fällt’s ihnen wie Schuppen von den Augen. Eh klar, der Wirt im Graben, unten bei der Waldaist. Idyllisch gelegen zwischen Feibelmühle und Schaffelmühle. So ganz stimmt’s nicht mehr, weil wegen dem Hochwasser haben sie die Feibelmühle wegschieben müssen. Aber der Wirt im Graben, der hat Glück, steht auf einer kleinen Anhöhe.

Jetzt muss ich mich schon wieder korrigieren. Wirt im Graben stimmt nämlich auch nicht ganz. Eigentlich müsst’s heißen „Wirtin im Graben“, weil führen tut das kleine Landgasthaus mit Gastgarten, Ladenkegelbahn, Tabak-Trafik und ein paar Schafen die Frau Helga. Sie ist nicht nur eine flinke Kellnerin und eine ausgezeichnete Psychologin mit sozialer Ader, die ihre Gäste auch noch um drei Uhr in der Früh, wenn sie schon Probleme mit dem Autoschlüssel und dem Zündschloss haben, nach Hause kutschiert.
Sie ist auch – und jetzt übertreibe ich wirklich nicht – die weltbeste Herstellerin von Ziegerlkäse.
Das ist so ein kleiner Gupf, der schaut aus wie ein Zylinder oder ein Kegel. Ich kann mich da nur schwer entscheiden, weil „Ziegerl“ kommt aus dem Mühlviertlerischen und heißt übersetzt kleine Kegelform, aber die Ziegerl von der Frau Helga sind mehr zylindrisch. Ich schätze mal acht Zentimeter hoch und sechs Zentimeter im Durchmesser. Bestehen tun die Ziegerl aus Topfen – aber das ist kein gewöhnlicher Topfen. Das ist ein schwer veredelter Topfen. Der wird zuerst einmal im Bier gewaschen, dass es die hellste Freude ist. Dann wird er getrocknet, dann wird er wieder im Bier gewaschen, dann wieder getrocknet. Wie oft das hin- und hergeht, weiß nur die Frau Helga und verraten tut sie’s nicht. „Betriebsgeheimnis“ sagt sie. Am Ende hast du als Gastgartengast einen Ziegerlkäse am Teller, der so was von gut schmeckt, dass es dich gleich nach einem zweiten und dritten gustiert.
Während du so dahinisst, denkst du schon dran, wie du die Frau Helga ausspionieren könntest und mit dem Ziegerlkäse-Rezept über die Grenze flüchtest. Sagen wir einmal nach Amerika. Und dort machst du ein Ziegerlkäse-Restaurant auf in Kalifornien. Weil zu Kalifornien hast du als Österreicher natürlich einen Bezug. Und dann bist du erfolgreich und schwimmst in Geld und du sponserst eine Fußballmannschaft. Und mit der Zeit wirst du Präsident von dieser Mannschaft. Und dann benennst du das Stadion um, in dem dein Team seine Heimspiele austrägt. Und dann ist auch der Gouverneur von Kalifornien wieder versöhnt mit den Österreichern. Und das ist dein Verdienst. Und ein wenig das Verdienst von der Frau Helga, der Wirtin im Graben in Bad Zell, Mühlviertel, Oberösterreich, Österreich, Europa.
Wenn du dann noch den Hinweis Mühlviertel gibst, dann schießt’s den Leuten ein: Eiserner Vorhang, russische Besatzungszone, Böhmerwald und Granit. Mehr brauchst du den meisten nicht mehr sagen. Den wenigen, die noch übrig bleiben, wirfst du mit Bad Zell noch ein Stöckerl: Kurort, Wellness, Siebtelbauern und ein fescher Arzt, sag ich dir. Kuriert schneller als sein Schatten. Damit du aber alle, wirklich alle, erreichst, musst du „Wirt im Graben“ hinzufügen.
Dann fällt’s ihnen wie Schuppen von den Augen. Eh klar, der Wirt im Graben, unten bei der Waldaist. Idyllisch gelegen zwischen Feibelmühle und Schaffelmühle. So ganz stimmt’s nicht mehr, weil wegen dem Hochwasser haben sie die Feibelmühle wegschieben müssen. Aber der Wirt im Graben, der hat Glück, steht auf einer kleinen Anhöhe.

Jetzt muss ich mich schon wieder korrigieren. Wirt im Graben stimmt nämlich auch nicht ganz. Eigentlich müsst’s heißen „Wirtin im Graben“, weil führen tut das kleine Landgasthaus mit Gastgarten, Ladenkegelbahn, Tabak-Trafik und ein paar Schafen die Frau Helga. Sie ist nicht nur eine flinke Kellnerin und eine ausgezeichnete Psychologin mit sozialer Ader, die ihre Gäste auch noch um drei Uhr in der Früh, wenn sie schon Probleme mit dem Autoschlüssel und dem Zündschloss haben, nach Hause kutschiert.
Sie ist auch – und jetzt übertreibe ich wirklich nicht – die weltbeste Herstellerin von Ziegerlkäse.
Das ist so ein kleiner Gupf, der schaut aus wie ein Zylinder oder ein Kegel. Ich kann mich da nur schwer entscheiden, weil „Ziegerl“ kommt aus dem Mühlviertlerischen und heißt übersetzt kleine Kegelform, aber die Ziegerl von der Frau Helga sind mehr zylindrisch. Ich schätze mal acht Zentimeter hoch und sechs Zentimeter im Durchmesser. Bestehen tun die Ziegerl aus Topfen – aber das ist kein gewöhnlicher Topfen. Das ist ein schwer veredelter Topfen. Der wird zuerst einmal im Bier gewaschen, dass es die hellste Freude ist. Dann wird er getrocknet, dann wird er wieder im Bier gewaschen, dann wieder getrocknet. Wie oft das hin- und hergeht, weiß nur die Frau Helga und verraten tut sie’s nicht. „Betriebsgeheimnis“ sagt sie. Am Ende hast du als Gastgartengast einen Ziegerlkäse am Teller, der so was von gut schmeckt, dass es dich gleich nach einem zweiten und dritten gustiert. Während du so dahinisst, denkst du schon dran, wie du die Frau Helga ausspionieren könntest und mit dem Ziegerlkäse-Rezept über die Grenze flüchtest. Sagen wir einmal nach Amerika. Und dort machst du ein Ziegerlkäse-Restaurant auf in Kalifornien. Weil zu Kalifornien hast du als Österreicher natürlich einen Bezug. Und dann bist du erfolgreich und schwimmst in Geld und du sponserst eine Fußballmannschaft. Und mit der Zeit wirst du Präsident von dieser Mannschaft. Und dann benennst du das Stadion um, in dem dein Team seine Heimspiele austrägt. Und dann ist auch der Gouverneur von Kalifornien wieder versöhnt mit den Österreichern. Und das ist dein Verdienst. Und ein wenig das Verdienst von der Frau Helga, der Wirtin im Graben in Bad Zell, Mühlviertel, Oberösterreich, Österreich, Europa.
Themen: Gastwirtschaft Gasthaus & Gastwirtschaft Oberösterreich Landpartie
Emanuel Lehner am Dienstag, 14. August 2007, 08:15
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