Dekantieren, ja oder nein?
Soll man Rotweine dekantieren, und wenn ja wie lange?
Der Begriff des "Dekantierens" bedeutet das Umleeren eines Weines in eine Karaffe. Geschah dies früher vor allem, um eventuell auf dem Flaschenboden abgesetzte Trubstoffe zu entfernen, steht dabei heute der Belüftungseffekt im Vordergrund.
Auch wenn unbestritten ist, dass Rotweine allgemein mehr Luft zur Entfaltung ihres Buketts benötigen, gehen die Meinungen unter Fachleuten zu diesem Thema stark auseinander.
Ich persönlich empfehle das Dekantieren nur bei Rotweinen, die man gut kennt, oder bei denen seriöse Quellen ein Belüften empfehlen. Diese Vorsicht hat folgende Gründe:
Alle Kellermeister wissen, dass nicht jede geöffnete Flasche Wein im voraus geplant und über Stunden zelebriert wird. Weine, die auch schon beim ersten Schluck alles zeigen sind daher oft im Vorteil gegenüber jenen, die verschlossen sind und Zeit und Luft benötigen.
Diesem Umstand tragen heutzutage viele Kellermeister Rechnung und bauen ihre Weine mit mehr Lufteinfluß aus, bevor sie sie abfüllen. Viele Weine profitieren daher kaum vom Dekantieren, und manche leiden sogar darunter, weil sie auch ohne Belüftung schon knapp vor der schädlichen Oxidation mit all ihren negativen Folgen für Farbe, Aroma und Geschmack stehen.
Abgesehen vom Einfluß des Kellermeisters spielen immer wieder auch Jahrgangs- und Sortenunterschiede eine große Rolle. Manche Weine schmecken am dritten Tag besser, als am ersten. Und manche wirken schon am nächsten Morgen müde und schal.
Bei Weinen, die ich nicht kenne, bin ich daher vorsichtig und öffne allenfalls die Flaschen ein oder zwei Stunden früher, ohne sie aber in eine Karaffe umzuleeren. Wenn man beim Verkosten dann doch den Eindruck hat, er bräuchte noch Luft, läßt sich dieses Manko auch noch durch ein intensiveres Schwenken im Glas vor dem Riechen und ein nicht zu eiliges (Aus)trinken der Flasche beheben.
Themen: Wein
Trackback URL:
http://blog.austria.info/stories/24356/modTrackback

