Triumph in der Provinz
In Oberösterreich gibt es einen Ort, der heißt Gaspoltshofen. Am besten nähert man sich ihm über die A1 Westautobahn und fährt bei Vöcklabruck ab oder man nimmt die Innnkreisautobahn und wählt Meggenhofen als letzten Ausweg. In Gaspoltshofen gibt es einige Wirte. Der wahrscheinlich beste nennt sich "Klinger". Das "Klinger" ist ein Landgasthaus von der feinen Sorte, viel wurde bereits berichtet, wie zB hier. Fest hält man sich an der oberösterreichischen, ja Hausruckviertler Küche. Was Land, Boden und Wasser so hergeben, findet sich auch auf der Speisekarte wieder. Als Vorspeise möchte ich besonders das Gänselebermousse hervorheben, welches zart auf der Zunge zergeht. Begleiten lässt man die weiche Köstlichkeit am besten von einem Süßweine, die der Chef des Hauses, ein Kenner der bekömmlichen Tropfen, empfiehlt. Chef des Hauses ist übrigens Bürgermeister Wolfgang Klinger. Er hat zwei Brüder: Der eine heißt Thomas und ist Vertriebschef von Bründlmayer, der andere heißt Willi und leitet die Weinmarketing Österreich. Die Familie kennt sich also kulinarisch und önologisch aus...
Höhepunkt der Hauptspeisen ist zweifelsfrei der sogenannte "Leberbunkel". "Bunkel" nennt man im Hausruckviertel einen Kuchen, aber mit Kuchen hat die lokale Spezialität außer in seiner Form rein gar nichts zu tun. Es ist vielmehr ein faschierter Leberbraten im eigenen Saft, wie es sich gehört mit mehreren Beilagen: Reis, Erdäpfel und Salat. Authentischer geht es nicht! Alles Natur, hausgemacht, original! Weitere Klassiker finden sich unter den Hauptspeisen: Das viel zu seltene Naturschnitzel feiert eine Renaissance, das Backhendl ist stichfest und goldgelb in der Pfanne paniert, der Schweinsbraten mit Stöcklkraut und Knödel trägt Kruste!
Ein Gedicht sind die Desserts: Palatschinken mit Marillenmarmelade, hauchdünn angezuckert, könnten frischer, zarter, besser nicht sein. Eben dieselben Palatschinken – ohne Marmelade versteht sich - finden auch zu Beginn des Mahls Eingang aufs Menü: In Streifen geschnitten veredeln sie die frisch gebrühte Rindssuppe. Das wusste auch schon Thomas Bernhard, Österreichs zugleich wohl meist geschmähter und gefeierter Dichter, zu würdigen. In seinem "Theatermacher" ließ er den Protagonisten Bruscon Folgendes sagen: "Selbst in der Fritattensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe". Er meinte Klingers Fritattensuppe, wie Recht der Bernhard doch in vielem hat...
Höhepunkt der Hauptspeisen ist zweifelsfrei der sogenannte "Leberbunkel". "Bunkel" nennt man im Hausruckviertel einen Kuchen, aber mit Kuchen hat die lokale Spezialität außer in seiner Form rein gar nichts zu tun. Es ist vielmehr ein faschierter Leberbraten im eigenen Saft, wie es sich gehört mit mehreren Beilagen: Reis, Erdäpfel und Salat. Authentischer geht es nicht! Alles Natur, hausgemacht, original! Weitere Klassiker finden sich unter den Hauptspeisen: Das viel zu seltene Naturschnitzel feiert eine Renaissance, das Backhendl ist stichfest und goldgelb in der Pfanne paniert, der Schweinsbraten mit Stöcklkraut und Knödel trägt Kruste!
Ein Gedicht sind die Desserts: Palatschinken mit Marillenmarmelade, hauchdünn angezuckert, könnten frischer, zarter, besser nicht sein. Eben dieselben Palatschinken – ohne Marmelade versteht sich - finden auch zu Beginn des Mahls Eingang aufs Menü: In Streifen geschnitten veredeln sie die frisch gebrühte Rindssuppe. Das wusste auch schon Thomas Bernhard, Österreichs zugleich wohl meist geschmähter und gefeierter Dichter, zu würdigen. In seinem "Theatermacher" ließ er den Protagonisten Bruscon Folgendes sagen: "Selbst in der Fritattensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe". Er meinte Klingers Fritattensuppe, wie Recht der Bernhard doch in vielem hat...
Themen: Hausmannskost Landpartie Gasthaus Oberösterreich
Emanuel Lehner am Donnerstag, 1. März 2007, 20:53
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