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Alle Beiträge von Emanuel Lehner

Frau Helga und der Ziegerlkäse

Afrika, Amerika, Antarktis, Asien, Australien. Es mag sein, dass es am Alphabet liegt, weil der sechste, der fällt vielen nicht ein, wenn sie alle Kontinente aufzählen sollen. Europa heißt er und er ist so alt, dass er ganz und gar in Vergessenheit zu geraten droht. Jetzt, wenn du sagst, Österreich, da dämmert’s schon eher. Denn da gibt es die Österreich Werbung und die macht für Österreich Werbung. Oberösterreich, das kennen noch viel mehr, weil von dort ist der Kärntner Landeshauptmann her und der oberösterreichische und ich glaub auch der Tiroler und die Salzburger Landeshauptfrau sowieso. Immerhin wird fast die Hälfte aller Bundesländer von Oberösterreichern regiert. Vier Neuntel sind’s, um genau zu sein. Eine bemerkenswerte Tatsache allemal.

Wenn du dann noch den Hinweis Mühlviertel gibst, dann schießt’s den Leuten ein: Eiserner Vorhang, russische Besatzungszone, Böhmerwald und Granit. Mehr brauchst du den meisten nicht mehr sagen. Den wenigen, die noch übrig bleiben, wirfst du mit Bad Zell noch ein Stöckerl: Kurort, Wellness, Siebtelbauern und ein fescher Arzt, sag ich dir. Kuriert schneller als sein Schatten. Damit du aber alle, wirklich alle, erreichst, musst du „Wirt im Graben“ hinzufügen.

Dann fällt’s ihnen wie Schuppen von den Augen. Eh klar, der Wirt im Graben, unten bei der Waldaist. Idyllisch gelegen zwischen Feibelmühle und Schaffelmühle. So ganz stimmt’s nicht mehr, weil wegen dem Hochwasser haben sie die Feibelmühle wegschieben müssen. Aber der Wirt im Graben, der hat Glück, steht auf einer kleinen Anhöhe.
waldaist
Jetzt muss ich mich schon wieder korrigieren. Wirt im Graben stimmt nämlich auch nicht ganz. Eigentlich müsst’s heißen „Wirtin im Graben“, weil führen tut das kleine Landgasthaus mit Gastgarten, Ladenkegelbahn, Tabak-Trafik und ein paar Schafen die Frau Helga. Sie ist nicht nur eine flinke Kellnerin und eine ausgezeichnete Psychologin mit sozialer Ader, die ihre Gäste auch noch um drei Uhr in der Früh, wenn sie schon Probleme mit dem Autoschlüssel und dem Zündschloss haben, nach Hause kutschiert.

Sie ist auch – und jetzt übertreibe ich wirklich nicht – die weltbeste Herstellerin von Ziegerlkäse. kaeseDas ist so ein kleiner Gupf, der schaut aus wie ein Zylinder oder ein Kegel. Ich kann mich da nur schwer entscheiden, weil „Ziegerl“ kommt aus dem Mühlviertlerischen und heißt übersetzt kleine Kegelform, aber die Ziegerl von der Frau Helga sind mehr zylindrisch. Ich schätze mal acht Zentimeter hoch und sechs Zentimeter im Durchmesser. Bestehen tun die Ziegerl aus Topfen – aber das ist kein gewöhnlicher Topfen. Das ist ein schwer veredelter Topfen. Der wird zuerst einmal im Bier gewaschen, dass es die hellste Freude ist. Dann wird er getrocknet, dann wird er wieder im Bier gewaschen, dann wieder getrocknet. Wie oft das hin- und hergeht, weiß nur die Frau Helga und verraten tut sie’s nicht. „Betriebsgeheimnis“ sagt sie. Am Ende hast du als Gastgartengast einen Ziegerlkäse am Teller, der so was von gut schmeckt, dass es dich gleich nach einem zweiten und dritten gustiert.

Während du so dahinisst, denkst du schon dran, wie du die Frau Helga ausspionieren könntest und mit dem Ziegerlkäse-Rezept über die Grenze flüchtest. Sagen wir einmal nach Amerika. Und dort machst du ein Ziegerlkäse-Restaurant auf in Kalifornien. Weil zu Kalifornien hast du als Österreicher natürlich einen Bezug. Und dann bist du erfolgreich und schwimmst in Geld und du sponserst eine Fußballmannschaft. Und mit der Zeit wirst du Präsident von dieser Mannschaft. Und dann benennst du das Stadion um, in dem dein Team seine Heimspiele austrägt. Und dann ist auch der Gouverneur von Kalifornien wieder versöhnt mit den Österreichern. Und das ist dein Verdienst. Und ein wenig das Verdienst von der Frau Helga, der Wirtin im Graben in Bad Zell, Mühlviertel, Oberösterreich, Österreich, Europa.

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Jö schau

"Neilich sitz' i umma hoiba zwa im Hawelka,
bei a poa Wuchtel'n und bei an Bier,
auf amoi gibt's beim Eingang vuan an mord's Trara,
weu a Nackerter kummt eine bei der Tür',
da oide Hawelka sagt: "Suach ma an Platz",
owa sie macht an Patz'n Bahö'
weu sie mant, dass sowas da net geht
und er soll si schleich'n, aber schnö."


Hawelka01

Die Hommage von Georg Danzer an dieses einzigartige Lokal sagt ja schon sehr viel über dieses Café. Ich war letzten Samstag Abend dort und hab mich dort pudelwohl gefühlt. Die Wuchteln – oder je weiter der Westen, umso öfter sagt man Buchteln – haben am Nebentisch gedampft, das Achtel Weißwein wurde einem in einem Glas serviert, das einen daran erinnert, wie man vor dreißig Jahren zum ersten Mal mit dem Opa im Gasthaus war und ein Achterl Apfelsaft bekommen hat. Der junge Hawelka hat sich nett mit einem unterhalten und die Auswahl an Zeitungen und Magazinen muss man in Wien erstmal finden. Der Hawelka hat immer Saison.

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Immer voll

Warum heißt das Gasthaus „Immervoll“ Immervoll ? Weil es immer voll ist, was ja richtig ist. Oder weil hinter Immervoll ein gewisser Herr Immervoll steckt ? Keine Ahnung… Auf jeden Fall sitzt da fast jeden Abend Hanno Pöschl drinnen, der Strizzi-Schauspieler, der auch einmal versuchte, James Bond einen Strich durch die Rechnung zu machen. Doch gegen Bond keine Chance, eher Strich in der Hose. Der Pöschl sitzt auf jeden Fall da drinnen, weil ihm das Gasthaus gehört. Zweites Standbein sozusagen. Ein Deutscher namens Thomsen hat im Internet in bester Otto-Baric-Manier gar angemerkt: “Das Immervoll ist eine Beisl, die ich als Piefke nur empfehlen kann.“ Mir geht es genauso. Ich war letzten Samstag dort und habe Leber gegessen. Nicht jedermanns Sache, aber köstlich und delikat, zart und fein. Dazu ein Glaserl Wein. Mein Bruder war auf Schulterscherzl unterwegs, klassisch quasi. Suppen mit Fritatten und Grießnockerl gaben den heißen Startschuss. Überhaupt findet sich fast nur Wienerisches auf der Karte. Und abends unter der Woche, wenn die Leute aus den umliegenden Büros im 1. Bezirk auf ein Feierabend-Achterl kommen, erinnert diese Restauration irgendwie an eine nordspanische Bodega, wo sich Gott und die Welt treffen. Also, die Beisl ist super, nichts wie hin, in die Weihburggasse 17, vorher aber reservieren, ist immer voll…

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Fußball und Kulinarik 3

Aber auch rund um das Linzer Stadion, das zwar kein Austragungsort der europäischen Meisterschaften im nächsten Jahr ist, dafür aber die U19-Fussball-Europameisterschaften veranstaltet, finden sich ein paar gute und sehr gute Restaurants: Da wäre einmal die Bergdiele, knappe fünf Gehminuten vom Linzer Stadion. Sie hat nicht nur eine hervorragende Küche, sondern auch eine ausgesuchte Vinothek und eine schöne Auswahl an Zigarren. Immerhin ist die Bergdiele einmal im Monat Treffpunkt des Linzer Zigarrenklubs. Persönlich finde ich das Restaurant Le Boeuf, ein paar Autominuten vom Stadion, sehr gut. Es ist ein Familienbetrieb, der sich auf ansprechendem Niveau kulinarisch einen Namen gemacht hat und sich schön um seine Gäste kümmert. Vor dem Match im Linzer Stadion ist übrigens der Wiener Wald am Freinberg sehr zu empfehlen. Vielleicht weniger wegen der ausgefallenen Küche, als viel mehr wegen des wunderbaren Ausblicks über die Stadt Linz. Und wen es nach dem Spiel in die Linzer Altstadt zieht, kehrt am besten zur Stärkung in den Promenadenhof ein, der sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Linzer Restaurants und Wirtshäuser entwickelt hat: Die Karte verspricht Bodenständiges aus Oberösterreich (Innviertler Knödelpfanne, Bratlpfanne etc.) und zahlreiche oberösterreichische Biersorten.

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Fußball und Kulinarik 2

Heute in Linz. Ich habe meinen Freund und Hobby-Literaten, Hubert Knasweger, losgeschickt, um das Linzer Stadion kulinarisch zu testen. Dabei ist er auf folgende Gedanken gekommen:

„Eine Scharfe scharf“

Jetzt ist es ja nicht unbedingt so, dass in Linz so guter Fußball gespielt wird, dass die Leute sagen, Mensch, das musst du gesehen haben, wie gut die in Linz Fußball spielen. Jetzt, wenn es nicht der Fußball an sich ist und auch nicht die Ostblockcharme versprühende Architektur des Stadions und schon gar nicht der viele Beton, der die größte Anzeigentafel der Welt einrahmt, was ist es dann, das die Leute in Scharen auf die Gugl pilgern lässt? Das fragt man sich zurecht. Weil so ein Spiel zwischen dem Lask und einer Delegation der Stadtwerke Kapfenberg, das ist wirklich nicht sehr schön zum Anschauen. Da vergeht dir alles.
Nur der Appetit, der vergeht dir nicht. Weil der Hofstetter Hans, das ist der, der die Leute mit Essen und Getränken versorgt. Der Caterer, wie sie Neudeutsch sagen, der Do&Co des Linzer Stadionovals sozusagen. Beim Hofstetter Hans da stellt man sich gerne an. Weil schon, wenn man in der langen Schlange steht, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Da sieht man die anderen, die schlauer waren und noch früher Richtung Würstlstandl aufgebrochen sind, schon wieder weggehen mit ihren Papptellern, auf denen sich die schon vom Wiener Lyriker H.C.Artmann gelobte Burenwurst und der Senf und das Semmerl von vorgestern, wo du denkst, hoffentlich bleibt da nicht versehentlich ein Schneidezahn stecken, breit machen. Da will man sich am liebsten vordrängen, damit man endlich „Eine Scharfe scharf“ sagen kann. Und wenn es dann soweit ist, dass man endlich dran ist und das Burenheidl mit ganz vielen anderen Burenheidln im großen Wasserkessel schwimmen sieht und einen die großen Fettaugen, die quietschvergnügt im Sud herumtanzen, so lieb anblicken, dann freut man sich so sehr, dass man ganz vergisst, dass irgendwo ein Fußballspiel im Gange ist. Und wenn dann die charmante Würstlstandlfrau mit einer ausgesprochen bunten Schürze fragt, was hätten’s denn gern und du sagst „Eine Scharfe scharf“, dann kommt dir das ganz langsam über die Lippen. Weil die schönen Momente im Leben, die willst du ja schließlich auskosten. Und dann zahlst du drei Euro und du verstehst die Welt nicht mehr, weil die drei Euro bringen dich dem Paradies näher, während du für das Fußballspiel, das die reinste Hölle ist und noch immer 0:0 steht, zehn Euro hingeblättert hast. Wenn du dann hineinbeißt in die beste Burenwurst Österreichs – das ist jetzt nicht nur mein Urteil, sondern auch das vom Starek Gustl, dem schwarzen Gustl, dem ehemaligen Meisterkicker von Nürnberg und München, der als Trainer so erfolglos war – dann schwebst du bald im siebten Himmel. Weil das Fett hat durch deinen Biss dein Gegenüber nur Bruchteile von Sekunden später voll im Auge getroffen und wenn du Pech hast, ist dein Gegenüber so ein Hooligan, wie er überall auf den Fußballplätzen vorkommt, und der vermöbelt dich gleich auf der Stelle, dass du nur noch Sternderl siehst …

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Fußball und Kulinarik 1

413 Tage vor Beginn der Fußball Euro muss man sich schön langsam Gedanken machen, wo wir wähernd der drei Wochen im Juni 2008 überhaupt essen sollen bzw. was wir unseren Gästen eigentlich empfehlen können.
ball
Die herkömmliche Stadionküche in Österreich kann man ja trotz aller Stadionnostalgie als eher bescheiden bezeichnen.
pommes
Doch im Umfeld der Fußballplätze hat sich aber Beachtliches entwickelt. Was es in Österreich in und um den Stadien so zu essen gibt, möchte ich in nächster Zeit ein wenig unter die Lupe nehmen. Heute zu Gast in der Mozartstadt: Im Stadion selbst hat sich Red-Bull-Chef Mateschitz sein eigenes Küchenreich kreiert. Im Bull’s Corner bekocht Markus Moser die Fußballfans auf Haubenniveau. Das Restaurant ist allerdings an Spieltagen nicht geöffnet. Gleich hinter dem Stadion befindet sich im Schloss Klessheim Salzburgs Casino mit Restaurant. Etwa fünf Autominuten vom Stadion, an der Münchener Bundesstraße gelegen, kocht Familie Brandstätter Heimisches auf hohem Niveau. Wer’s bierselig mag, geht nach dem Match am besten in den nahen Europark, um dort in Raschhofers Rossbräu Hausgebrautes zu verkosten.
Gekocht wird jedenfalls rund um das Salzburger Stadion gut, hoffentlich stehen dem unsere Kicker um nichts nach...

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Borschtsch und Cevapcici

Mittel- und Osteuropa haben ja eine besondere Bedeutung in der Strategie der Österreich Werbung. Mehr und mehr rücken Länder wie die Tschechische Republik, Polen, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, die Ukraine und Russland in den Fokus unserer Arbeit. Aber eine Frage habe ich schon: Wo kann man in Österreich diese Länder kulinarisch kennen lernen ? Ich hab mal zumindest nach den russischen Lokalen in Wien gesucht. Da gibt es folgende: Das Wladimir verspricht echt russische Küche von Borschtsch bis Pelmeni, von Kiewer Kotelett bis zu hochprozentigen Getränken wie Wodka. Seit 1923 gibt es das russische Restaurant Feuervogel, welches zumindest laut Beschreibung viel versprechend klingt. Aber, sagt mal: Wo gibt es weitere mittel-, ost-, südosteuropäische Beisl ?
Wo gibt’s die besten Cevapcici, die wuchtigsten böhmischen Knödel, das feinste Pörkölt, das schärfste Gulasch usw. ?

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Triumph in der Provinz

In Oberösterreich gibt es einen Ort, der heißt Gaspoltshofen. Am besten nähert man sich ihm über die A1 Westautobahn und fährt bei Vöcklabruck ab oder man nimmt die Innnkreisautobahn und wählt Meggenhofen als letzten Ausweg. In Gaspoltshofen gibt es einige Wirte. Der wahrscheinlich beste nennt sich "Klinger". Das "Klinger" ist ein Landgasthaus von der feinen Sorte, viel wurde bereits berichtet, wie zB hier. Fest hält man sich an der oberösterreichischen, ja Hausruckviertler Küche. Was Land, Boden und Wasser so hergeben, findet sich auch auf der Speisekarte wieder. Als Vorspeise möchte ich besonders das Gänselebermousse hervorheben, welches zart auf der Zunge zergeht. Begleiten lässt man die weiche Köstlichkeit am besten von einem Süßweine, die der Chef des Hauses, ein Kenner der bekömmlichen Tropfen, empfiehlt. Chef des Hauses ist übrigens Bürgermeister Wolfgang Klinger. Er hat zwei Brüder: Der eine heißt Thomas und ist Vertriebschef von Bründlmayer, der andere heißt Willi und leitet die Weinmarketing Österreich. Die Familie kennt sich also kulinarisch und önologisch aus...
Höhepunkt der Hauptspeisen ist zweifelsfrei der sogenannte "Leberbunkel". "Bunkel" nennt man im Hausruckviertel einen Kuchen, aber mit Kuchen hat die lokale Spezialität außer in seiner Form rein gar nichts zu tun. Es ist vielmehr ein faschierter Leberbraten im eigenen Saft, wie es sich gehört mit mehreren Beilagen: Reis, Erdäpfel und Salat. Authentischer geht es nicht! Alles Natur, hausgemacht, original! Weitere Klassiker finden sich unter den Hauptspeisen: Das viel zu seltene Naturschnitzel feiert eine Renaissance, das Backhendl ist stichfest und goldgelb in der Pfanne paniert, der Schweinsbraten mit Stöcklkraut und Knödel trägt Kruste!
Ein Gedicht sind die Desserts: Palatschinken mit Marillenmarmelade, hauchdünn angezuckert, könnten frischer, zarter, besser nicht sein. Eben dieselben Palatschinken – ohne Marmelade versteht sich - finden auch zu Beginn des Mahls Eingang aufs Menü: In Streifen geschnitten veredeln sie die frisch gebrühte Rindssuppe. Das wusste auch schon Thomas Bernhard, Österreichs zugleich wohl meist geschmähter und gefeierter Dichter, zu würdigen. In seinem "Theatermacher" ließ er den Protagonisten Bruscon Folgendes sagen: "Selbst in der Fritattensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe". Er meinte Klingers Fritattensuppe, wie Recht der Bernhard doch in vielem hat...

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Iberisch Bärig

Bei meinen letzten Österreich-Aufenthalten hatte ich Hunger und habe dabei gleich zwei neue, empfehlenswerte Lokale entdeckt.

Da gibt es in Wien in der Mondscheingasse einen Spanier. Der nennt sich passend zum Namen der Gasse „Lobo y Luna“. Es ist ein kleines Beisl, wie man in Wien sagt: Vorne der Barbereich für die Raucher, hinten gemütlich zum Sitzen für die Nichtraucher. Wir sind hinten gesessen. Die Karte ist knapp an Hauptgerichten und Vorspeisen, aber dafür vielfältig an Tapas und Pintxos. Diese Tapas sind raffinierter, als man sie vielerorts kennt: Zwar gibt es die Klassiker wie Jamon Serrano oder Manchego oder Pimientos, aber besonders hervorragend waren die Hühnerleber in Sherry und die gebratene Chorizo in einer Rioja-Sauce. Die feinen Tapas waren etwas klein gehalten, die klassischen wie die Patatas bravas mit einem pikanten Dip dafür überproportional. Als Hauptspeise wählten wir - no na - eine Paella mit Mariscos und – und das war das Highlight schlechthin – ein saftiges Rinderfilet (Buey). Alles in allem ein sehr feiner Spanier mit Fantasie. Auch die Weinkarte hat gute Seiten, besonders empfehlenswert der Haus-Rioja. Und ja, die Bedienung war spitze: freundlich, witzig, gut beratend und nicht aufdringlich.

So richtig neu ist der Bärenwirt in Salzburg (gleich in der Nähe des Bräustüberls) eigentlich nicht. Der Pächter ist neu und der macht seine Sache gut: Wer gut-bürgerliche österreichische Hausmannskost im Herzen Salzburgs zu vernünftigen Preisen schätzt, ist beim Bärenwirt bestens aufgehoben. Die Krönung war sicherlich der frische, zart-flockige Kaiserschmarrn mit einer ordentlichen Portion Zwetschkenröster!

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Shabu Shabu

An einem nasskalten Moskauer Abend, an dem man gerade noch der Versuchung widerstehen konnte, sich zum wiederholten Male eine Tiefkühlpizza reinzuziehen, um doch – gesundheits- und figurbewusst – einen Tomatensalat mit importiertem Kernöl anzurichten, da denkt man gerne noch einmal an seine kulinarischen Highlights aus dem vergangenen Jahr. Als passionierter Reisender kann man da nämlich einiges entdecken. So habe ich im November 2006 in New York etwas Fantastisches gefunden: Irgendwo zwischen der 5th Avenue und dem Broadway auf der Höhe der 32nd Street haben sich Koreaner niedergelassen, um dort kleine Restaurants zu betreiben. Da man in New York "panasiatisch" denkt, findet man bei den Koreanern auch Japanisches. "Shabu-Shabu" hieß dieser famose Versuch, ein japanisches Suppenfondue. Vor einem installieren die flinken Kellner einen Topf mit kochend heißer Gemüsebrühe. Nebenbei versinkt man unter Tellern von allerlei Grünzeug (Chinakohl, Spinat, Pilzen usw.) und feinen Rindfleischstreifen oder wahlweise Seafood. Derlei blanchiert und kocht man in dem Suppentopf, genießt die garen Frischprodukte mit allerlei Saucen. Am besten wählt man eine Mischung aus Soja- und Limettensauce, etwas scharf darf es immer sein. Dazu ein „Sapporo“-Bier und man genießt für New Yorker Verhältnisse lange und gemütlich "Shabu- Shabu". Als gelernter Germanist weiß ich, dass der Name der Speise "Shabu-Shabu" onomatopoetisch ist – lautmalerisch. "Shabu-Shabu" (=also zisch-zisch) macht es nämlich, wenn man das Fleisch, den Fisch oder das Gemüse ins Wasser taucht. Historiker meinen gar, dass schon Dschingis Khan und seine nimmermüden Krieger sich an derlei zischendem Fondue delektierten.

Nun fragt man sich zurecht: Was hat das alles mit einem Blog der Österreich Werbung zu tun? Macht der Lehner jetzt Werbung für Japan oder gar Amerika? Weit gefehlt! "Shabu-Shabu" gibt’s jetzt am schönen Wallersee, nur 20km von Salzburg entfernt. Das Fisch- und Schneckenrestaurant Winkler, wo wir auch das Seehotel finden, hat sich dieser kulinarischen Errungenschaft angenommen und bietet es an! Also, auf geht’s zum Wallersee. Zuerst der Spaziergang, dann der kulinarische Genuss, der sich nicht allein auf Fernöstliches beschränken muss. Herrliche Fische aus dem nahen Wallersee, vorher ein paar Schnecken, dazu ein Glaserl vom Weißen lassen mich an nasskalten Moskauer Abenden von der Heimat träumen!

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